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Verfasst am 18.07.2022 um 16:26 Uhr

Wasser - Baustein des Lebens nicht vergeuden    

von Sven Wachtmann    

Gezieltes und effizientes Wässern ist gefragt. 

Wasser ist ein wichtiges und unersetzbares Gut in unserem Ökosystem. Wir müssen lernen, wie wir zukünftig mit Wasser in unseren Gärten umgehen wollen. Wasser insbesondere Süßwasser, das wir für uns und unsere Pflanzen benötigen, ist nur zu ca. 3% auf der Erdoberfläche vorhanden. Ein wertvolles Gut, das geschützt werden muss, um auf Dauer auf dem Planeten Erde überleben zu können. Dies ist kein fernes Anliegen aus Ländereien in Afrika oder Australien. Der Klimawandel ist bei uns in Deutschland längst angekommen und jeder ist aufgerufen, mit Wasser umweltbewusst umzugehen. Jetzt in Zeiten von langen Hitzeperioden und extremer Trockenheit ist ein geschicktes Wassermanagement für alle Haushalte und Gärten immer wichtiger.


Berlin/Brandenburg

Das trockene und warme Jahr 2022 bereitet uns Gartenfreunden immer größere Probleme. Die Grundwasser- und Schichtenwasserstände gehen in weiten Teilen Deutschlands kontinuierlich zurück, weil nicht genügend Niederschlagswasser nachkommt. Unseren Berliner Böden sind schon seit 2018 nicht mehr ausreichend mit Wasser für tiefere Schichten versorgt worden. In der Region Berlin/Brandenburg ist teilweise erst in zwei Meter Tiefe Wasser für Pflanzenwurzeln vorhanden. Aus diesem Grund sollte jeder Gartenbesitzer das kostbare „Nass“ nur dort und zielgerichtet einzusetzen, wo es unbedingt notwendig ist.


Jeder muss über Nutzungseinschränkungen nachdenken

Ein sorgloses Gießen mit Trinkwasser aus der Leitung bzw. mit Brunnenwasser ist daher keine Lösung, sondern verschärft das Problem. Letztendlich stammen Trink- und Brunnenwasser aus Grundwasser bzw. Schichtenwasser. Nur ein sparsames, effektives Wässern ist die Lösung. „Man muss über Nutzungseinschränkungen nachdenken“, ist derzeit aus der Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher und Klimaschutz zu vernehmen. Der Tagesspiegel vom 20.06.22 zitiert die Staatssekretärin für Umwelt und Klimaschutz, Dr. Silke Karcher, dass das in vielen Bundesländern ganz normal sei: „Da sehen die Gesetze vor, dass bei Wasserknappheit bestimmte Nutzungen wie das Poolbefüllen oder das Rasensprengen untersagt werden können.“


Mulchen, um den Bodern vor Wind und Sonne zu schützen. 

Gießränder, Mulden…

Was können wir tun? Viele kleine Dinge sind möglich, um Pflanzen vor starker und langer Trockenheit zu verschonen. Besonders bei Neupflanzungen und auch bestehenden Pflanzungen sollte man mit Gießrändern oder Mulden das Wasser direkt zum Wurzelbereich lenken.


Auch Wassersäcke wären für Obstgehölze eine gute Möglichkeit, um zielgerichtet Wasser für die Bäume bereitzustellen. Je schwachwüchsiger das Wurzelsystem (schwache Unterlage) vom Obstgehölz ist, desto mehr Wasser wird leider in den oberen Schichten benötigt.

Bäume nehmen in unseren Gärten eine wichtige Rolle für die Beschattung unserer Böden und Pflanzen ein. Eine geschickte Planung von Gärten ist hier von Anfang sehr wichtig. Suchen Sie Pflanzen aus, die mit längerer Trockenheit und Hitze in unseren Gärten besser zurechtkommen.


Verdunstung vermeiden

Da wesentlich mehr Wasser aus dem Boden verdunstet als von den Pflanzen verbraucht wird, muss man die Verdunstung an der Bodenoberfläche äußerst gering halten. Wir können die Verdunstung durch Wind- und Sonnenschutz sowie durch Bodenschutz (Mulchen, Mischkultur, dichte Bepflanzung) reduzieren.


Rasensprenger aus

Das Sprengen von Rasenflächen bei praller Sonne sollte unbedingt unterlassen werden. Bei einer langandauernden Hitze und Trockenphase sollte es gänzlich eingestellt werden. Hier wird sonst zu viel kostbares Wasser verschwendet. Rasen wird sich nach einer Regenphase wieder schnell erholen.


Effektiv wässern

Das häufige Gießen von Gartenpflanzen ist nicht angebracht. Es sollte möglichst mit effektiveren Möglichkeiten (z.B. einer Tröpfchenbewässerung) ersetzt werden. Das ist eine kleine Investition für die Zukunft des Gartens, aber die Pflanzen werden es danken. Wichtig ist, dass das Wasser da ankommt, wo es benötigt wird. Nicht nur oberflächlich wässern, sondern in die Tiefe wo sich die Wurzeln der Pflanze befinden. So können wir quasi die Wurzeln erziehen mit dem Wasser in die Tiefe zu wachsen. Gießt man immer nur so viel, dass die oberen Zentimeter des Bodens befeuchtet werden, ist nur dieser Bereich schnell durchwurzelt. Die Pflanze sucht sich ihr Wasser und kann auch die Wurzeln so anpassen. Sie kann dabei in verschiedenen Lebensphasen unterschiedliche Ansprüche haben.


Wasserhaltekraft des Bodens erhöhen

Eine gute Humusversorgung unterstützt, dass Wasser im Boden gehalten werden kann. Wir müssen auch bedenken, dass bei steigender Temperatur die Humusmenge in den Beeten schneller abgebaut wird. Daher sind die Kompostwirtschaft und Gründüngung in Kleingärten ein „muss“.


Regenwasser auffangen

Wenn es doch einmal regnet, seien Sie vorbereitet, damit das kostbare Nass in Wassertonnen mit Deckel oder Zisternen gesammelt und gespeichert werden kann. Regenwasser steht dann für einen längeren Zeitraum zu Verfügung.


Versiegelung zurückbauen

Damit der Regen auch in den Boden versickern kann, beseitigen Sie versiegelte Flächen in ihren Gärten und bringen Sie wasserdurchlässige Belege ein. Versuchen Sie die Versieglung so gering wie möglich und notwendig zu gestalten. Nur so kann mehr Regenwasser in die Böden und tiefere Schichten gelangen.


Pools

Man kann nicht in Dürreperioden dafür plädieren, beim Pflanzenwässern in Kleingärten zu sparen, ohne auf Badebecken sprechen zu kommen. Badefreudige Gartenfreunde sehen hoffentlich den Konflikt mit der Umwelt, wenn sie tausende Liter Trink- oder Brunnenwasser in den Pool* fließen lassen. Aus Sicht der Fachberatung ist hier auf Flächenversiegelung und auf Wasserverschwendung hinzuweisen. Wie gesagt, der bewusste Umgang mit der Ressource Wasser fängt bei jedem Einzelnen an.


Sven Wachtmann, Vorstandsmitglied für Fachberatung


Mehr zum Thema Wasser

Wir müssen beim Pflanzengießen umdenken - Pressemitteilung des Landesverbandes, 18.07.22

*Viele tausend Liter für die Abkühlung, Gartenfreund, Mai 2022

Jeder Tropen Wasser zählt, Gartenfreund, Juni 2022

Man muss über Nutzungseinschränkungen in Dürresommern nachdenken“, Tagesspiegel v. 20.06.22

Berlin muss Wasser sparen, B.Z. v. 26.06.22

Wasserknappheit in Berlin, rbb-Abendschau vom 12.07.22