Dieser Beitrag wurde verfasst von:

F├╝r den Inhalt dieses Beitrags ist ausschlie├člich der Verfasser verantwortlich.

Zum Beitrag des Verfassers
Verfasst am 24.07.2023 um 09:00 Uhr

Mehr Vielfalt in Berlins Kleingärten!    

von Katarina Niewiedzial, Beauftragte für Integration und Migration des Senats von Berlin    

Berlin ist mit seinen mehr als 750 Kleingartenanlagen mit über 70.000 Gärten etwas ganz Besonderes. In diesen grünen Oasen spiegelt sich die Vielfalt der Berliner Bevölkerung wider: Neu-Kleingärtner*innen mit Migrationsgeschichte sorgen dabei aktuell für eine dringend benötigte Verjüngung unter den Pächterinnen und Pächtern. Durch die neuen Nachbarn entstehen gartenbauliche Impulse und es ziehen neue Anbaumethoden und Pflanzenkulturen in die Kolonie ein. Auch das Buffet und das Angebot auf dem Grill werden reichhaltiger. Neue Rezepte werden getauscht und eventuell auch bestehende Regeln des Zusammenlebens hinterfragt und angepasst. Wichtig sind hier immer gegenseitige Offenheit und Toleranz. Die Landes- und Bezirksverbände der Gartenfreunde schaffen es seit vielen Jahrzehnten, Menschen von unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen sozialen Hintergründen zusammenzubringen. Darauf können Sie sehr stolz sein.

In Berlin leben mehr als 3.850.000 Menschen aus 193 Nationen. Fast 40 Prozent der Menschen haben eine eigene oder familiäre Einwanderungs- oder Fluchtgeschichte. Bei Kindern und Jugendlichen liegt dieser Anteil sogar bei über 50 Prozent.

In meiner Arbeit als Beauftragte des Berliner Senats für Integration und Migration setze ich mich für eine gleichberechtigte Teilhabe dieser Menschen ein. Es geht nicht nur um bessere Zugänge zu Informationen, sondern vor allem um Chancengleichheit bei den Themen Bildung, Arbeit, Gesundheit und Wohnen. Mein persönliches Herzensthema ist mehr Menschen mit Migrationsgeschichte für die Arbeit in der Berliner Verwaltung zu gewinnen. Sie sollen sich zugehörig fühlen und diese Stadt auch in den öffentlichen Institutionen stärker repräsentieren.

Damit das gelingt, brauchen wir in unserer Migrationsgesellschaft eine aktiv gelebte Nachbarschaft. Diesen sozialen Zusammenhalt stärken nicht nur Stadtteilzentren, Sportvereine, Migrant*innenorganisationen oder Volkshochschulen, sondern ganz besonders auch die Berliner Kleingärten. Sie sind Orte der Freizeit und Erholung. Hier kommen Menschen zusammen: Familien, Nachbarn und Freund*innen entspannen sich, atmen frische Luft, gärtnern gemeinsam und tauschen sich aus. Man sitzt zusammen, isst, trinkt, lacht, spielt, lernt sich kennen und knüpftNetzwerke, die auch über die Gartenwelt hinausreichen. Für Kinder sind Kleingartenanlagen besondere Orte. Es sind sichere Spielräume, aber auch Orte zum Lernen und Ausprobieren. Wir kommen hier als „Stadtmenschen“ der Natur sehr nahe. Die Arbeit im Garten stärkt die Gesundheit und verändert unser Ernährungsverhalten. Gärten machen glücklich, für mich sind sie ein Schatz.


Katarina Niewiedzial
Beauftragte für Integration und Migration des Senats von Berlin



Dieser Beitrag ist in der Verbandszeitschrift "Berliner Gartenfreund" als Editorial der Ausgabe Juli 2023 erschienen.