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Verfasst am 10.02.2021 um 09:45 Uhr

Hohe Anerkennung für kleingärtnerisches Ehrenamt 

Goldene Spandauer Ehrennadel würdigt das Engagement von Manfred Goldschmidt und Britta Franke   

Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (l.) würdigte mit der Goldenen Spandauer Ehrennadel das ehrenamtliche Engagement von Manfred Goldschmidt, 1. Vorsitzender der KGA Gartenbauverein Staaken 1922, und seiner Lebenspartnerin Britta Franke (2.v.l.). Foto: H. v. Heese

Als am 26. November 2020 in der Zitadelle Spandau die Goldenen Ehrennadeln für herausragende ehrenamtliche Tätigkeit verliehen wurden, befanden sich zum vierten Mal in Folge auch Vertreter des Spandauer Kleingartenwesens unter den Ausgezeichneten – diesmal sogar im Doppelpack: Manfred Goldschmidt, der langjährige Vorsitzende der Kleingartenanlage Gartenbauverein Staaken 1922, und seine Lebensgefährtin Britta Franke konnten die Goldene Ehrennadel in Empfang nehmen.


Manfred Goldschmidt ist seit Juni 1962 Kleingärtner im Gartenbauverein Staaken. Schon bald erkannte er, dass Kleingärtnerei nicht nur die Bewirtschaftung der eigenen Scholle bedeutet, sondern auch den Schutz der Artenvielfalt von Flora und Fauna, soziale Kontaktpflege, nachbarschaftliche Hilfsbereitschaft, Lehr- und Lerninhalte für Kinder und vieles mehr beinhaltet. Seine tatkräftige Hilfe brachte er in den Verein ein und wurde 1972 zu dessen 1. Vorsitzenden gewählt. Von einer kleinen Auszeit abgesehen, übt er dieses Amt bis heute sehr erfolgreich aus.


Im Bezirksverband aktiv

Schnell wurde auch der Bezirksverband Spandau auf den engagierten Gartenfreund aufmerksam und betraute ihn 1974 zunächst mit den Aufgaben des Schriftführers und später mit der Funktion des 2. Vorsitzenden des Bezirksverbandes. 1978 nahm Manfred Goldschmidt erstmals Kontakt zur Kleingärtner-Ortsgruppe Hamburg/Nord auf. Die sich daraus entwickelnde freundschaftliche Partnerschaft mit gegenseitigen Besuchen dauert bis zum heutigen Tage an.


In dieser Zeit begann auch seine Lebenspartnerin Britta Franke, sich offiziell und dauerhaft in die ehrenamtlichen Tätigkeiten von Manfred Goldschmidt einzumischen und ihn mit vorbildlichem Engagement zu unterstützen.


Feste für Heimkinder

Zur Weihnachtsfeier 1986 lud die Kolonie erstmalig 25 Heimkinder ein, die zu Gast in einzelnen Kolonie-Familien waren. Die Kinder, die die familiäre Atmosphäre sehr genossen, wurden von ihren Gasteltern bewirtet und mit Geschenken bedacht. Höhepunkt für die Kinder dürfte jedoch die Hin- und Rückfahrt zur Weihnachtsfeier in einem Mannschaftswagen der Polizei gewesen sein, die Manfred Goldschmidt organisieren konnte.


Viele Jahre lang veranstaltete die Kolonie für die Waisenkinder auch zu Ostern ein Ostereiersuchen im Spandauer Stadtforst. Jährliche Kinder- und Sommerfeste zählten zu den weiteren Höhepunkten in der Partnerschaft mit den Heimkindern.


Allseits großer Beliebtheit erfreuten sich die vielen jährlichen Veranstaltungen der Kolonie, die regelmäßig nicht nur von Kleingärtnern und Bewohnern der umliegenden Wohnanlagen gerne besucht wurden, sondern auch von zahlreichen Politikern aller Parteien. Die wunderschöne blühende Oase am Stadtrand, zu der sich die Kolonie unter ihrem rührigen Vorsitzenden entwickelt und durch ihre offene und herzliche Gastlichkeit und das vorbildliche soziale Engagement einen Namen gemacht hatte, ließ Gäste und Anwohner vergessen, dass die Mauer mit dem Todesstreifen nur wenige Meter von der Kolonie entfernt ihren Schrecken verbreitete.


Bedrohte Idylle

In die Idylle platzte 1992 dann das Kündigungsbegehren des damaligen Bausenators Nagel, der an der Stelle der Kolonie 286 Wohnungen für Bundesbedienstete errichten wollte. Diese Nachricht löste jedoch neben Schreck und Entsetzen auch eine Welle unglaublicher Energie bei Kleingärtnern und Anwohnern aus. Manfred Goldschmidt und Britta Franke scharten ihre Leute um sich und veranstalteten in Zusammenarbeit mit dem Bezirksverband Spandau am Himmelfahrtstag 1992 den ersten von vielen noch folgenden „Politfrühschoppen“, zu dem viele Spandauer Kommunalpolitiker, MdA und Mitglieder des Bundestages erschienen.


In den folgenden Jahren wurden die Gartenfreunde sehr aktiv, um ihre Kolonie zu retten. So sammelten sie auf Initiative des Vorsitzenden in ihrem Stadtbezirk immer wieder Unterschriften gegen die Vernichtung der Kolonie und leiteten sie an die zuständigen Stellen weiter. Sie fertigten Transparente gegen die Pläne des Bausenators an und befestigten sie an den Zäunen der Kolonie. Bei allen Aktivitäten konnte der Verein immer auch auf Unterstützer und Wegbegleiter aus der Spandauer Politik und Verwaltung zählen.


Kündigung abgewehrt

Als Höhepunkt der Bemühungen der Kolonie um ihren Erhalt wird den Mitgliedern der Politfrühschoppen 1999 in Erinnerung bleiben: Nachdem der Regierende Bürgermeister Diepgen sechsmal eine Einladung abgesagt hatte, wurde die Hartnäckigkeit des Vereins beim siebten Mal belohnt. Bei einem Rundgang durch die Kolonie konnte sich Eberhard Diepgen davon überzeugen, dass die Kolonie zu den schönsten in Spandau gehört. Am Ende seines Weges dann sicherte er den Kleingärtnern den Erhalt ihrer Anlage zu. Diese Nachricht wurde mit Tränen in den Augen und unter großem Jubel aufgenommen. Noch heute treffen sich die Vereinsmitglieder in Erinnerung an die kämpferischen Jahre an jedem Himmelfahrtstag mit alten Weggefährten und Politikern, um miteinander bei Blut- und Leberwurst über Vergangenes, aber auch über Zukünftiges zu fachsimpeln.


Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass Manfred Goldschmidt seit Jahrzehnten im Bezirksverband Spandau ehrenamtlich die verantwortlichen Funktionen als Wertermittler und Obmann der Wertermittler mit vorbildlichem Einsatz, professionell und erfolgreich ausübt. Außerdem sind er und seine Partnerin seit vielen Jahren unterstützende Mitglieder im Förderverein für das Schul- und Umweltzentrum Hakenfelde.


Helmut van Heese

Vorsitzender des Bezirksverband Spandau der Kleingärtner e. V.