Tipps für den Garten
zurück zur Übersicht

Dieser Beitrag wurde verfasst von:

F├╝r den Inhalt dieses Beitrags ist ausschlie├člich der Verfasser verantwortlich.

Zum Beitrag des Verfassers
Verfasst am 23.11.2020 um 10:00 Uhr

Grüne Wissensvermittler    

Gartenfachberater –  wichtiger denn je, aber immer noch ein zahnloser Tiger?    

Wir alle müssen begreifen, dass jeden Tag aufs Neue um den Erhalt von Kleingärten und Grünflächen in Berlin gekämpft werden muss. Für so gut wie jede Kolonie, die in Zukunft abgerissen bzw. verkleinert wird, bekommt das Kleingartenwesen keine Ersatzflächen mehr. Denn diese werden in Berlin einfach nicht mehr erhältlich sein.


Ansprechpartner in den Vereinen

Umso wichtiger wird es für einen Erhalt sein, dass wir Gartenfreunde uns an das Gesetz halten, das uns vor ungerechtfertigter Kündigung schützt und das uns einen niedrigen Pachtzins garantiert bzw. diesen nach oben deckelt – das Bundeskleingartengesetz. Das bedeutet aber im Gegenzug eine kleingärtnerische Nutzung auf einem Drittel unserer Gartenfläche.


Leider sieht man zunehmend überall in Berlin, dass viele von uns bequem geworden sind. Die Gründe mögen vielfältig sein, so können wir allerdings nicht mehr weiter machen. Wir müssen über unseren Gartenzaun hinausschau-en und durch unser Handeln zeigen, dass wir keine egoistischen Einzelgärtner sind, sondern unseren Anteil an der Verantwortung für das Kleingartenwesen in Berlin übernehmen. Gartenfachberater und Garten-fachberaterinnen können Vorstände unterstützen, eine gute kleingärtnerische Nutzung herzustellen. Sie sind grüne Ansprechpartner im Verein.


Breites Fachwissen weitergeben

Auch der Klimawandel schreitet immer schneller voran und bringt Veränderungen mit sich. Das sollte eigentlich in den letzten drei Jahren klar geworden sein. Die Aus Wirkungen der langanhaltenden Trockenperioden, viele kranke und abgestorbene Bäume und Gehölze, sind nicht mehr zu über-sehen. Auch hier können Garten-fachberater den Gartenfreunden zur Seite stehen. Darüber hinaus nimmt das Artensterben bei Flora und Fauna bisher nicht bekannte und nicht dokumentierte Ausmaße an. Zusätzlich gibt es in vielen Regionen Probleme mit neu auftretenden bzw. invasiven Arten, wie z.B. bei Mücken oder Zecken. In der Pflanzenwelt sieht es nicht viel besser aus – gut, wenn sich damit jemand auskennt oder weiß, wo er nachlesen muss. Denn auch in diesen ökologischen Themen wer-den Gartenfachberater ausgebildet und können ihr Wissen weitertragen.




Fachwissen, Ausbildung und Weitebildung

Sicherlich wird der eine oder andere sagen, wie soll ein Fachberater mit einer nur dreitägigen Ausbildung beim Landesverband Berlin der Gartenfreunde über so viel Wissen verfügen und all die Probleme angehen? Viele unserer Fachberater kommen aus den unterschiedlichsten grünen Berufen wie Gärtner, Biologen und Floristen. Diese verfügen schon einmal über viel Fachwissen. Andere kommen zwar aus „gartenfremden“ Berufen, haben sich jedoch über viele Jahre mit der Natur und dem Kleingartenwesen befasst. Sie verfügen ebenfalls über Fachwissen. Wieder andere steigen ganz neu ein und sind gewillt, sich weiterzubilden und erst einmal mit den drei Tagen beim Landesverband anzufangen. Und ganz egal ob bereits erfahrener Fachberater oder An-fänger, für jeden stehen regelmäßige Weiterbildungen zur Verfügung.


Eines haben sie jedoch alle gemeinsam: Sie sind hochmotiviert und möchten im Verein helfen, jedoch mit Achtung und Respekt in ihrem Ehrenamt behandelt werden.

Ein Fachberater im Verein ist in jedem Fall sinnvoll und in vielen Satzungen vorgeschrieben. Vereine, die keinen oder keine Fachberater berufen, sollten darüber nachdenken, die Funktion wieder zu besetzen. Im Folgenden ist aufgelistet, über welche rechtlichen Fachkennt-nisse ein Fachberater im 21. Jahr-hundert verfügen sollte und welche Aufgaben er wahrnehmen kann.  


Gesetze und Verordnungen:
• Vereinssatzung/Gartenordnung
• Baumschutzverordnung
• Verwaltungsvorschrift en über Kündigungsentschädigung auf Kleingartenland
• Verwaltungsvorschrift en über Dauerkleingärten und Kleingärten auf landeseigenen Grundstücken
• Verkehrssicherungspflicht
• Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG)
• Bundeskleingartengesetz (BKleingG)


Mögliche Aufgaben und Stärkung der Gartenfachberatung:
• Informationen an Gartenfreunde über naturgemäßes und um-weltbewusstes Gärtnern (zweck-mäßige Mittel und Methoden zur Gesunderhaltung von Pflanze und Boden) geben
• Beratung von Vorstand und Vereinsmitgliedern in fachlichen Fragen
• Teilnahme an den Fortbildungs-veranstaltungen des Verbandes
• Sachliche und fachliche Hilfe im Bereich Pflanzenschutz geben
• Wettbewerbe im Verein unterstützen und durchführen
• Schau- und Schulungsgärten auf-bauen und unterstützen
• Durchführung/Organisation von Fachvorträgen, Demonstrationen, Gartenbegehungen, Übungen und andere Formen der Gartenfachberatung
• Praxis in die Gartenfachberatung bringen
• Bildung von Gartenkommissionen als Unterstützung im Verein
• Beratung von Neupächtern zu gärtnerischen Fragen, vorrangig zur kleingärtnerischen Nutzung
• Fachartikel über die Gartenfach-beratung in den „Gartenfreund“ und andere Zeitungen/Medien bringen
• Finden und Fördern geeigneter Gartenfreunde, die selbst in der Gartenfachberatung aktiv wer-den möchten
• Verstärkter Einsatz gegen den Klimawandel und für Natur- und Artenschutz

Forderungen:
In jedem Bezirk sollten ein Bezirksgartenfachberater und ein Stellvertreter gewählt werden. Gleiches gilt für den Gartenfachberater in der Kolonie. Darüber hinaus sollte der Bezirksgartenfachberater im geschäftsführenden Vorstand sein. Gleiches gilt für den Fachberater im Verein.

Peter Beil
Stellvertretender Bezirksgartenfachberater
Bezirksverbands Spandau der Kleingärtner e. V.





Foto Garten: Archiv Landesverband, Foto Hochbeet: Pixabay

Dokumente: